Roadmovie

Hamburg und Design? Eine glänzende Perle!

Veröffentlicht am 30. Oktober 2012 - 1 Kommentar

Roadmovie! Wer Hamburg mag, mag auch Design. Als ich gebeten wurde für das „designxport“ Magazin einen Artikel über „Design live“ in Hamburg zu schreiben, habe ich direkt zugesagt und mich darauf gefreut, dort einen von mir geschriebenen Text gedruckt zu sehen. Doch wie es so ist, kam nach dem Hochmut der Fall: Zwei Wochen saß ich da und überlegte wie mein „design road movie“ quer durch Hamburg aussehen könnte. Ich bin deshalb raus in den wohl größten Heimathafen vieler Designer und Kreative aus Deutschland, Europa und sogar der ganzen Welt: Inspirationen galt es zu sammeln und sich auszutauschen. Zu meinem Verwundern holte mich ständig dieselbe Frage ein: „Wieso eigentlich Hamburg und nicht Berlin, New York oder Paris?“

Neben vielen Ateliers und Designstudios, die hier heute angesiedelt sind, war Hamburg in der Vergangenheit auch die Plattform für Modedesigner wie Karl Lagerfeld, Jil Sander und Wolfgang Joop. Alle drei starteten von hier aus ihre Karriere und eroberten die Modemetropolen der Welt. Mit den Jahren ist das Kreativ-Spektrum stark gewachsen und reicht von Mode- Schmuck-, Glas- und Textildesign bis Industrie- und Produktdesign, von Interior- und Messedesign über Kommunikations-, Produkt,- Package und Corporate Design bis hin zu Web- und Social Design.

Läuft man zu Fuß durch Hamburg, fällt schnell auf: Design ist allgegenwärtig. Die mit Graffiti besprühten Hauswände in der St. Pauli Hafenstrasse, die Cremedosen in unzähligen Parfümerien der Mönckebergstraße, die Türklinke des Hamburger Rathauses oder der maßgeschneiderte Anzug von Inkasso-Henry, dem Kiez-Urgestein. Design ist (Alltags)Kultur. Und Design ist ein Teil von Hamburg.

Die Vergnügungs-Fastfood-Marke tobt und lebt von Individuen, die sich gern weltmännisch geben. Schon damals traf es die Hamburger Schülerband „Superpunk“ mit ihrem Song „Hamburg ist der Platz für Dich“ auf den Punkt.

Die Stadt ist gefällig: Mit Alstervergnügen, Schlagermove, Harley Days einerseits und ihrer gebündelten Kreativität andererseits hat Hamburg zwei Herzen. Die Chance, den Herzschlag eines dieser beiden Herzen für sich zu entdecken, ist hoch. Neben der edlen Innenstadt und dem gelackten Eppendorf stehen sich St. Pauli, der Hafen und irgendwo dazwischen die Schanze als Heimat für viele Ateliers und Designbüros gegenüber. Was die Stadt ausmacht? Dezenter Stil und Schnörkellosigkeit. Letztlich werden die Klischees mancherorts bestätigt, in den noblen Stadtvierteln wie Othmarschen und Blankenese etwa, doch vor allem als Heimathafen der Kreativen hat sie sich in den letzten Jahren weiterentwickelt.

Der Wind der Hansestadt bringt mehr als Louis-Vuitton-Taschen und blonde Strähnchen mit sich. Eine natürliche Noblesse findet sich hier. Pelz trägt man auch, aber nur wenn es wirklich sein muss. Alles andere wäre auch absurd, schließlich gibt es hier eine bunte Vielfalt von Modedesignern, die sich mit unterschiedlichsten Stilrichtungen sogar international einen Namen gemacht haben. Daneben muss sich auch der Nachwuchs keineswegs verstecken. Zu den Geheimtipps der Hansestadt zählen u.a. die Modedesigner Stefan Eckert und Sascha Gaugel, aber auch Betinna Schoenbach, die für das Outfit der Bundeskanzlerin verantwortlich ist.

Dass davon so wenig Notiz genommen wird, dass Berlin oder Paris als alles bestimmende Modemetropolen gesehen werden – hier an der Elbe kümmert es die wenigsten, so scheint es.  Hamburg muss sich nicht anbiedern. Man lebt gut mit dem Image des „Geheimtipps“, wenn nicht sogar besser. Trends werden hier aufgenommen, doch nicht um jeden Preis. Der Hamburger Stil ist gefestigter als der der schnelllebigen Metropolen. Nach außen wirkt das vielleicht „konservativ“, doch auf hamburgisch trifft „entspannt“ es eher.

Diese Gelassenheit und die unverkennbare Vorstellung von Eleganz und Stil, von abstrakt und konkret, ist ohne Weiteres nicht nur modetechnisch, sondern auch in den hiesigen Ateliers und Designbüros wiederzufinden. Neben den großen Agenturen warten vor allem die kleinen Dependancen wie „Faktorei Geheim“, „Colour-Rush“ oder „Maegde u. Knechte“ im Karolinenviertel mit frisch-zeitgemäßen Ideen auf und begeistern. Ebenso verblüfft mich die „Pension für Produkte“ auf meinem Weg durch die Stadt stets mit Neuheiten von Industriedesignern und Architekten aus aller Welt.

Doch damit nicht genug. So lebt nicht nur der Star des Verpackungsdesigns, Peter Schmidt, in der Hansestadt, sondern auch Gestalter wie Feldmann und Schultchen, denen es gelang, das Outfit der Hamburger Kultmarke Astra umzukrempeln oder Glen Oliver Löw, der vor ein paar Jahren den weltweit ersten Bürostuhl mit „cradle to cradle“-Zertifikat für höchsten ökologischen Standard entwickelte. Und Tobias Grau, zählt mit seinen puristischen Leuchten ebenso wie die Firma Anta, die durch Design in seiner sparsamsten Form gepaart mit edlem Material überzeugt, zu Hamburgs Lichtexperten. Und last but not least sind da noch die Schwergewichte im Bereich des Furniture: Große Möbelhersteller wie Thonet, Ligne Roset, Interlübke oder Rolf Benz holen sich ihre Entwürfe aus Hamburg, und zwar unter anderem von Peter Maly, Rolf Heide oder Christian Werner.

Je mehr man durch Hamburg läuft, desto besser passt alles in das Bild der Stadt und deren Szenen. Deutschlands Kreative sind gut. Hamburgs Kreative sind besser. Kaum verwunderlich, denn es fließt neben dem üblichen Geseier der Charts auch etwas Punk und Avantgarde in die hiesigen Kreationen ein. Und das ist auch gut so, denn nur so werden die Fischköpfe immer weiter in den Fokus, ja sogar in den Mittelpunkt der Kreativwelt rücken.

Kaum eine Stadt kann Klischee und Widerspruch so großartig vereinen. Die Hansestadt präsentiert sich auf einem silbernen Tablett, dessen Charme manchmal im Verborgenen glänzt. Tradition und Show liegen in dieser Stadt eng beieinander – besser könnte es für die Designszene nicht sein. Hamburg und Design? Eine glänzende Perle!

Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht in der aktuellen 5. Ausgabe der designxport – einer Initiative von hamburgunddesign° und der Hamburger Kulturbehörde. Verantwortlich für die extravagante Gestaltung ist der Hamburger Verlag GUDBERG, der ganze Arbeit geleistet hat!

© Bilder: GUDBERG – Art & Design / Hamburg Marketing GmbH (C. Spahrbier & R. K. Hegeler )

Dir hat dieser Artikel gefallen? Tue Gutes - und like this, Yeah!

Das Blog lebt vom Dialog mit der Branche und ich freue mich über Deine Kritik und Anregung.
Unterstütze mich, in dem Du diesen Blogpost mit Deinen Freunden teilst. Danke!

  • Graffiti & Street Art: Mit dem Opel ADAM durch Lissabon
  • Stilvolles Florenz: Kunst, Design und Avantgarde
  • Viva Valencia - Dynamisches Design. Moderne Architektur.
  • ben

    Großes Ding, Kim. Respekt!

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Sponsor

Electrolux Design Lab

Facebook

Mosaik

YT-PopCorn-Grains-Rye-Jol-Mosaik-DESIGNLOVR-NETArchitecture-Photography-Jared-Lim-Mosaik-DESIGNLOVR-NET
14-41-Book-Mash-Creative-Mosaik-DESIGNLOVR-NETBVD-Formex-Mosaik-DESIGNLOVR-NET

Für Dich gelesen

Galileo Design
Digitale Fotopraxis HDR-Fotografie

39,90 EUR

Heutzutage sind die Möglichkeiten, die die HDR-Fotografie bietet, aus der digitalen Fotografie nicht mehr wegzudenken! Dank dieser Technik sind Mehr...

Zufäliger Artikel

COPYRIGHT © 2010 - 2012 BY DESIGNLOVR.NET. Mit Liebe gemacht in Oldenburg (i.O.). Impressum | Mediadaten | Presse | SITEMAP | RSS
 
Scarlett-Johannson-Tom-Munro-Mosaik-DESIGNLOVR.NET
Scarlett Johannson by Tom Munro

Schließen