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Tablet Magazine – Die neuen Leiden der Werbebranche

Veröffentlicht am 19. Oktober 2011 - 2 Kommentare

Die Kontext – eine demokratische Leseerfahrung

Werbung! „Print ist tot.“ – Eine Aussage, die seit der Markteinführung des iPads eine bis heute nicht endende Debatte ausgelöst hat und das obwohl das „magische Gerät“ schon länger als ein Jahr auf dem Markt ist. Die Reihe der Instrumentalisierung lässt sich dank zahlreicher Statements namenhafter Köpfe noch um einiges fortführen. So prophezeit beispielsweise Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, das „Tablets die Zeitungen und Magazine der Zukunft sind“ oder aber Ibrahim Evsan, Web-Entrepreneur und Seriengründer, das Bücher ausgedient haben. Beide Denkweisen zielen auf die uns bevorstehende digitale Zukunft ab. Doch losgelöst von Zeit und Raum, wird in keinem anderem Bereich so viel ausprobiert, entwickeln sich die Prozeduren dynamischer und ist so viel im Fluss, wie in dem der Tablet-Magazine und dennoch ist bisher keine überzeugende Adaption des Magazin-Formates auf diesem neuen Medium entstanden.

Das Aside Magazine von Nico Engelhardt

Für die Werbebranche ist das aktuelle Scheitern der Medienunternehmen einerseits was Schlechtes, da in erste Konsequenz ein neuer Markt, eines neues Segment sowie neue Werbeformen entstehen würden. Doch was passiert danach? Was passiert wenn das kleine Wörtchen „Print“ in Vergessenheit gerät und sich die oft zitierte These „Print ist tot.“ bewahrheitet?

Die Bachelor-Thesis »DONE« von Johannes Henseler – Website

Machen wir uns nichts vor, das Digitale würde aktuelle Werbestrukturen aufheben. Erst durch einen gewissen Grad an Aktualität gepaart mit Ästhetik bringt ein Tablet Magazin einen gesteigerten Mehrwert gegenüber analogen, haptischen Magazinen mit sich. Trotz aller technologischen Veränderungen und Weiterentwicklungen würde dies bedeuten, dass sich Werbeanzeigen bzw. -kampagnen an das neue Medium anpassen und die Entwicklungsprozesse – vom Pitch bis zum fertigen Konzept – in den Agenturen sich grundlegend verändern und gleichzeitig um ein zigfaches verkürzen müssten. Für den Agenturalltag würde das einen erheblichen Mehraufwand und Stress bedeuten, da gleichzeitig auch Bestandskunden bzw. andere Medien betreut werden wollen. Briefings werden zu Elevator-Pitches. Honorare würden neu definiert und dem Trend nach zu Hungerlöhnen werden. Was nicht bedeutet, dass die Qualität des Ergebnisses darunter leiden darf. Das Ende vom Lied?! Mirko Kaminski wird weit über hundert Videos frei dem Motto „Liebes Unternehmen X, da mach ich nicht mit!“ gedreht und auf YouTube hochgeladen haben, bis er merkt: Veränderungen? Pustekuchen!

So grotesk es klingen mag, das Ende der Werbebranche wird der schon seit geraumer Zeit prognostizierte Wandel nicht bedeuten. Bei einem Umsatz des gesamten Welt-Werbemarktes von rund 485 Milliarden Dollar ist der wegbrechende Erlös aus Print-Werbung von rund 93 Milliarden Dollar zu verschmerzen, zumal die Umsätze in Sachen Online-Werbung weiter steigen würden. Zugegeben sind einige von mir aufgestellten Behauptungen überdreht und überspitzt, jedoch soll der Artikel zeigen, das es gilt ein neues Medium zu verstehen, bevor der Tod eines anderen prognostiziert wird.

© Titelbild: Florian Feiter & David Querg

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